LernStats
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Entdeckendes Lernen Didaktische Vorüberlegungen
1. Einleitung
2. Das Grundproblem der Summenformel: Animation
3. Visualisierung von Verteilungen
4. Skalenqualität und Inklusion
5. Die Schwierigkeit, eine Varianz zu verstehen
6. Gefühl für Größenordnungen und Relationen: Korrelation
7. Lernen durch Üben: Zahlenrelationen: Vierfelder-Tafeln
8. Logik des Entscheidens: Skalenqualität und Korrelationsform
9. Motivierung für den Sinn der Faktorenanalyse: Exploration und
Rotation der Daten
10. Lernen durch Auflösen von Komplexität: Der Gang der Faktorenanalyse
1. Einleitung
Wir haben in einer mehrjährigen Untersuchung zum Lernen der Statistik
durch Psychologiestudenten festgestellt, daß der Lernerfolg durch
Lernformen nach dem Konzept des Entdeckenden Lernens erheblich
verbessert werden kann. Dafür wurden eine Reihe von speziellen
Übungen entwickelt, in denen die Studierenden die Konzepte der
Statistik nicht einfach nachvollziehen, sondern überhaupt erst
entdecken lernen. Auf diese Weise werden zum einen viele der bei
Studenten vorhandenen Sinnfragen beantwortet und so ihre lernhemmenden
Motivationsprobleme gelöst.
Einige der hier verwendeten Übungen wurden im E.L.M.A.-Projekt
mit Papier und Bleistift ausgeführt. Mit dem Computer können sie
nun beliebig oft wiederholt werden.
2. Das Grundproblem der Summenformel: Animation
Die Summenformel ist die erste Quelle von kognitiven Mißverständ-nissen
und Fehlkonzeptionen bei den Lernenden. Obwohl die Formel recht
einfach zu sein scheint, haben viele Studenten Schwierigkeiten,
die Summenformel korrekt aufzulösen und den Laufindex als einfachen
Zähler für das Argument zu verstehen. Immer wieder wird der mathematische
Ausdruck als ein Vorgang und nicht als eine Serie von Schritten
mißverstanden. Eine Art Animation der Formel übersetzt den Additionsvorgang
in visuelle Einzelschritte, die den Index und die Einzelwerte
nacheinander aufleuchten läßt.
Wiederholtes Spielen bei Variation der Zahl der Werte kann hilfreich
sein, um ein adäquates Verständnis der Formel zu erreichen. So
simple dieser Punkt erscheint, so wichtig ist er doch, denn die
Summenformel ist sowohl Bestandteil der Varianz als auch der Korrelation
und aller weiteren darauf aufbauenden statistischen Konzepte.
3. Visualisierung von Verteilungen
Dieser Teil des Programms entspricht am ehesten den traditionellen
Statistik-Programmen, die in der Regel eine Visualisierung der
Daten in Form von Balken-, Säulen-, Kreis- und Punktediagrammen
vornehmen können. An dieser Stelle soll nur darauf hingewiesen
werden, daß die didaktische Funktion der Visualisierung hier beginnt
und aus kognitionspsychologischen Erwägungen heraus als nicht
ganz so trivial für den Lernprozeß betrachtet werden darf, wie
es in der Regel im Statistikunterricht geschieht, in dem die Grafik
zur Nebensache wird.
4. Skalenqualität und Inklusion
Das folgende Beispiel stellt eine Übung dar zum Thema, "Welche
Skala impliziert welches Skalenniveau?". Die darauffolgende Übung
(hier nicht abgebildet setzt das Thema fort mit der Aufgabe: "Welche
Aussagen lassen sich formulieren, wenn welches Skalenniveau vorliegt?".
Eine der wesentlichen Grundlagen der gesamten Statistik ist die
Dependenz von statistischen Maßen, Kennwerten und Verfahren vom
jeweils vorliegenden Skalenniveau.
5. Die Schwierigkeit, eine Varianz zu verstehen
Das Konzept der Streuung in der Statistik bedarf einer besonderen
Motivierung. Zentralwerte sind in ihrer Sinnhaftigkeit für den
Anfänger noch unmittelbar einsichtig. Die Streuung ist es bereits
nicht mehr, zumal die Varianz kein auf die ursprüngliche Größenordnung
der Daten rückbeziehbares Maß darstellt, sondern erst wieder die
Standardabweichung. Bei der Standardabweichung verhält es sich
andererseits so, daß für den Lernenden die Rücknahme der Quadrierung
nicht einsichtig ist. Deshalb wird im Programm das in der Statistik
nicht gebräuchliche Maß der durchschnittlichen Abweichung als
kognitive Vorstufe vorgeschaltet.
6. Gefühl für Größenordnungen und Relationen: Korrelation
Die Übung zur Produkt-Moment-Korrelation strebt an, dem Lernenden
eine Vorstellung für die notwendigen Relationen von zwei zu korrelierenden
Datenpaaren, bzw. Datenreihen zu vermitteln. Der Lernende kann
die beiden Datenreihen beliebig ändern. Er wird dann gebeten vorherzusagen,
ob eine hohe oder eine niedrige, eine positive oder eine negative
Korrelation dabei herauskommt. Erst die anschauliche Manipulation
führt zu einem konkreten Verstehen für die Wirkungsweise einer
Korrelation und ihrer Rückbeziehung auf die Datenreihen, die ansonsten
allzu leicht mystifiziert wird. Diese kognitive Ebene halten wir
zugleich für eine sehr wichtige Voraussetzung auch für die Entwicklung
eines formalen Verstehens des Konzepts der Korrelation. Die anderen
Korrelationsformen werden in der Struktur der Übung ähnlich behandelt.
Zusätzlich kann der Lernende im Formelbuch nachschlagen und dort
anhand von zwei Datenreihen die Berechnung der jeweiligen Formeln
schrittweise verfolgen.
7. Lernen durch Üben: Zahlenrelationen: Vierfelder-Tafeln
An einem Beispiel der Berechnung von Chi-Quadrat soll hier näher
demonstriert werden, wie die anderen Korrelationsformeln für nicht-intervallskalierte
Daten behandelt werden. Die Berechnung von Chi-Quadrat wird an
einer Vierfelder-Tafel demonstriert. Hier lassen sich noch einmal
die Prinzipien von Größenordnungen und Relationen der Datenreihen
anhand ihrer Verteilung in den vier Feldern der Tafel konkret
einsichtig nachvollziehen. Diese Übung ist besonders gut dafür
geeignet, die Übertragung des Korrelationskonzepts für intervallskalierte
Daten auf nominalskalierte Daten einsichtig zu machen. Didaktisch
gesehen, wird hier ein Prinzip realisiert, das sich als Lernen
durch wiederholtes Tun bezeichnen ließe. Man muß die Daten in
den vier Feldern der Tafel schon wiederholt sinnvoll variieren,
um aus den so entstehenden Relationen Schlußfolgerungen auf die
jeweils erreichte Größenordnung der Korrelation ableiten zu können.
8. Logik des Entscheidens: Skalenqualität und Korrelationsform
Die Problematik der Entscheidung für eine bestimmte Korrelations-form
wird im Programm als Entscheidungsmatrix dargeboten, deren zwei
Dimensionen die Skalenqualitäten der beiden zu korrelierenden
Variablen bilden. Die Übung befragt den Studenten in der Art eines
Mini-Expertensystems, um aufgrund der erhaltenen Antworten die
Lösung des Studenten beurteilen zu können.
9. Motivierung für den Sinn der Faktorenanalyse: Exploration und
Rotation der Daten
LernStats arbeitet in einigen Teilen mit digitaler Sprachausgabe
und Bildschirmfilmen. Die erste Übung zur Faktorenanalyse, die
im wesentlichen der Motivierung der Lernenden für diesen schwierigsten
Teil der deskriptiven Statistik dient, soll die Nutzung dieser
didak-tischen Hilfsmittel illustrieren. Die Übung zur Faktorenanalyse
beginnt mit einer verbal gegebenen Aufgabenerläuterung. Dann wird
aus einem dreidimensionalen arbeitenden Statistik-Programm ein
Film gezeigt, in dem die dreidimensionale Datenwolke rotiert wird
oder in dem innerhalb der dreidimensionalen Verteilung herumgewandert
wird. Diese Übung kann mehrfach wiederholt werden. Dazwischen
müssen aber im Unterricht ausführliche Diskussionsphasen eingelegt
werden. Insofern ist die Übung zur Faktorenanalyse auch ein Hinweis
auf die Grenzen eines Statistik-Lernprogramms. Es ist in diesem
Fall nicht gelungen und kann m.E. auch nicht gelingen, alle Konzepte
der Statistik in einem Selbstlernprogramm anzubieten und völlig
auf einen interaktiven Unterricht zu verzichten. Es ist allerdings
möglich, Übungen gerade zu diesen schwierigen Inhalten der Statistik
anzubieten, die es dem Studierenden ermöglichen, den Aufbau eines
Konzepts selbständig detailliert und wiederholt nachzuvollziehen,
und auf diese Weise den Lehrenden von einem Teil dieser schwierigen
Aufgabe zu entlasten.
10. Lernen durch Auflösen von Komplexität: Der Gang der Faktorenanalyse
Als Übungsteil für die Faktorenanalyse wird eine Übung zur Matrizenrechnung
vorgeschaltet. Diese liefert das nötige Verständnis für die Rechenart
beim Gang der Faktorenanalyse. Dieser Gang wird nun bis zur Berechnung
von zwei Faktoren demonstriert, wobei der gesamte komplexe Rechenvorgang
in einzelne Schritte aufgeteilt wird. Der Student kann jeden dieser
Einzelschritte nacheinander durch Drücken bestimmter Bedienungsknöpfe
auslösen. Diese einzelnen Schritte im Rechengang bedürfen natürlich
einer ausführlichen Erläuterung, die zum einem in der Hilfe-Datei
als Text angeboten wird, die aber auch im interaktiven Unterricht
einen wichtigen Stellenwert einnehmen sollte.
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